| Wie Arlette Bollag und Toni Hutmacher den «Kelim-Virus» erwischt haben und er ihr Leben veränderte |
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| Alles fing mit Reisen an... Toni Hutmacher, ein junger Architekt, reiste im Winter 1969 mit einem alten Citroën 2CV über verschneite Pässe und löchrige Wüstenpisten nach Indien, sass stundenlang im Bazar und sah sich schöne Kelims und Teppiche an. Gekauft hat er keine, das schmale Portemonnaie war für 2CV–Ersatzteile reserviert. Mit Glück und der Hilfe von findigen lokalen Mechanikern schaffte er es mit dem alten aber rüstigen Vehikel von Zürich nach Delhi und zurück. |
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| Arlette Bollag machte sich 1971 mit Zug und Bus auf einer ganz ähnlichen Route auf den Weg. Auch sie sass stundenlang im Bazar, schaute sich Teppiche und Kelims an, hörte den Bazaris zu. Gekauft hat sie nichts – womit denn? Und ein Kamel für den Transport hatte sie auch nicht. Die Liebe zum improvisierten Reisen hat sie bis heute nicht verloren. |
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| Wir haben uns 1973 kennengelernt und die Erinnerungen und Bilder unserer Reisen haben sich verstärkt. Schon als Kinder hatten wir beide, unabhängig voneinander, die Nase an den Fenstern der Teppichgeschäfte plattgedrückt. Es kam wie es kommen musste. Wie viele junge Sammler kauften wir im Orient oft zu viele Kelims und Teppiche, und mussten so auch manchmal verkaufen. |
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| Unsere erste grosse Ausstellung NOMADENSCHÄTZE fand im Januar 1979 im Hotel Palace in Gstaad statt – im jugendlichen Übermut unbefangener Neulinge. Die im eleganten Ausstellungsraum aufgebaute kirghisische Jurte wurde am frühen Abend zur exotischen Apéro-Bar, und wir zu faszinierten Beobachtern des grand monde. («Er gleicht Roger Moore.» «Das IST Roger Moore».) Wir zeigten antike Kelims und Teppiche, sassanidische Vasen, usbekische Stickereien, Ikate und Ikatmäntel. |
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| Im Herbst 1979 stellten wir in Zürich im damals leerstehenden Café «Karl der Grosse» an der Kirchgasse aus. Herzstück war ein vollständiges Ikatzelt aus Bochara. Das grosse Lokal in der Zürcher Altstadt und die prächtige Weyrmühle in Muri AG (14. Jht.) waren in den nächsten zwölf Jahren unsere Ausstellungsräume. Vor der Mühle stand eine usbekische Jurte. An die Abende am Herdfeuer mit Kebab erinnern sich noch heute Besucher, Freunde und ihre Kinder. Konzerte und Vorträge an rund vier Ausstellungen pro Jahr gehören in diese Zeit. |
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| In den frühen Achtzigerjahren reisten wir oft in die Türkei, nach Afghanistan und Pakistan, suchten und fanden wunderbare Kelims, Filze, Belutschteppiche und Stickereien und lernten intensiv dazu (Neugier ist der beste Lehrmeister). Wir hörten zu, diskutierten, lasen, verglichen unsere Eindrücke mit passionierten Freunden und Kollegen, sassen stundenlang in Museen und Basaren. Erst später wurde uns wirklich bewusst, dass wir ernstzunehmende Kelimhändler geworden waren. |
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| 1986 eröffneten wir an der Kirchgasse 36 die Galerie NOMADENSCHÄTZE, vor allem, um die Fülle von seltenem ethnologischem Schmuck, antiken Beads und unsere Kelims das ganze Jahr durch zeigen zu können. Für unsere ganze Sammlung war sie etwas klein. 1994 bot sich die Möglichkeit, auf der anderen Seite der Gasse eine grosse schöne Galerie zu mieten. Wir gaben die Weyrmühle in Muri auf und zogen nach Zürich zurück. Der neue grosse Raum mit seinem lieblichen Hintergarten wurde für viele zur Oase an grauen Tagen. Die Schönheit der Kelims und Textilien zog Menschen an, die diese Welt neu für sich entdeckten, Sammler, Reisende und Künstler, die es schätzten, in Ruhe in den Büchern unserer grossen Fachbibliothek zu schmökern und mit uns zu sprechen. |
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| 2002 lief unser Mietvertrag an der Kirchgasse ab, und wir mussten unsere Zelte wieder abbrechen. Der Vater von Arlette, hochbetagt, hatte bis vor kurzem noch seine grosse Kunstgalerie nahe der Bahnhofstrasse geführt. Es wäre sehr schade gewesen, die Tradition der Familie im Kunsthandel (vier Generationen seit Ende des 19. Jahrhunderts) aufzugeben. Die NOMADENSCHÄTZE suchten ein neues Dach. So haben wir uns entschlossen, den grossen Raum an der Werdmühlestrasse 5 in Zürich umzubauen, und sowohl Kunst wie Kelims zu zeigen, allerdings im Turnus, nicht zusammen. Man soll die beiden Kunstformen nicht ohne guten Grund mischen. So wechseln sich heute die Ausstellungen der BOLLAG GALLERIES und der NOMADENSCHÄTZE ab. |
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